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Die Tropen vor der Haustür? Der geneigte Besucher meiner Seite wird Zweifel anmelden wollen. Das ist verständlich. Denn  'Orchideen' werden allgemein wohl eher nicht mit der Eifel in Verbindung gebracht. Mir ging es übrigens ganz genauso,  als ich von Bonn kommend mit meiner Familie vor 12 Jahren nach Bad Münstereifel zog. Doch weit gefehlt. Sicher werden die meisten Naturfreunde zuerst an tropische Orchideen denken, die man in Gewächshäusern und Blumengeschäften sieht. Darüber möchte ich aber hier nicht berichten, sondern von unseren heimischen Orchideen.

Orchidee des Jahres 2009: "Männliches Knabenkraut"Nur wenige Meter hinter unserem Haus gibt es ein Orchideenvorkommen, das in seiner Vielfalt seinesgleichen sucht. Zwar haben diese nicht den spektakulären „Auftritt“ der tropischen Artgenossen mit ihren imposanten Blüten. Sie stehen aber bei näherer Betrachtung der Einzelblüte ihren exotischen Verwandten in nichts nach. Man muss allerdings genauer hinschauen. Denn sonst werden sie allzu leicht übersehen. Und das wäre sehr schade. Lassen Sie sich verzaubern von der Vielfalt und Schönheit unserer Orchideen im Eschweiler Tal. Erkunden Sie einsame Dörfer am Fuße bewaldeter Höhen, stille Seen und klare Bäche, alte Abteien und majestätische Burgen - die Eifel ist für ihre wildromantische Landschaft bekannt. Schauen Sie genau hin und Sie entdecken Schätze, die sich dem Blick der meisten Besucher entziehen: Auf stillen Lichtungen und mageren Kalkwiesen wachsen 40 der 60 in Deutschland heimischen Orchideenarten. Die Eifel gilt als das beste Orchideenrevier zwischen Rhein und Weser.

Im Mai und Juni blühen hier die meisten heimischen Orchideen, die allesamt unter Naturschutz stehen. Ihre Namen sind ebenso exotisch wie ihr Aussehen: Rot-violett leuchtet das Rote Waldvögelein, der Hängende Mensch hat kleine, an gelbe Männchen erinnernde Blüten, und dunkelrot blüht das Mannsknabenkraut. Etwas unauffälliger als ihre Schwestern ist die Grüne Hohlzunge, die zur Orchidee des Jahres 2004 gekürt wurde. In Nordrhein-Westfalen wächst sie nur an einer Stelle, und zwar rund um die Eifelgemeinde Nettersheim, unweit Ihres Feriendomizils.

Mehr als 2000 der seltenen Hohlzungen stehen hier dicht an dicht. Regelmäßig werden Vorträge, Ausstellungen und Exkursionen rund um das Thema Orchideen angeboten. Auch der Arbeitskreis der Heimischen Orchideen (AHO) Nordrhein-Westfalen ist beteiligt. Der AHO NRW wurde 1983 als eigenständige Gruppe innerhalb des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gegründet. Heute hat er 200 Mitglieder. Erklärtes Ziel ist es, die Vielfalt der Natur zu erhalten. Jede Orchideenart, die verschwindet, macht uns nämlich ärmer. Orchideen sind übrigens ein besonders guter Indikator für ein intaktes Biotop. Wo sie wachsen, ist der Naturhaushalt und die Artenvielfalt meist noch in Ordnung.

Auf der Suche nach neuen Populationen spüren die Orchideenschützer ihren Lieblingen in den heimischen Wäldern und Wiesen nach. Ihr Ziel ist es, die Bestände der einzelnen Arten zu erfassen, um Erkenntnisse über ihre Verbreitung zu gewinnen - und sie dann umso besser zu hegen und zu pflegen. Jeder neue Orchideenfund wird in eine Kartei aufgenommen. Nach zehn Jahren Suche ist die Bilanz positiv: In der Eifel und rund um Köln waren 1990 etwas mehr als hundert Orchideenvorkommen bekannt. Bis 2002 waren in dieser Region schon 1300 Fundorte registriert. Ist eine neue Population entdeckt, muss der Standort beobachtet und gepflegt werden. Denn wilde Orchideen sind besonders empfindliche Gewächse und „konkurrenzschwach“. Wenn der Boden mit anderen Pflanzenarten verkrautet oder zuwächst, kommen sie nicht mehr hoch.

Drohen Gräser, Büsche und Hecken eine Population zu überwuchern, rücken die Orchideenschützer den Gewächsen mit Hacken, Sensen und Sägen zu Leibe und befreien ihre Schützlinge vom tödlichen Dickicht. Den Großteil der Pflegearbeit verrichten aber die Bauern, die im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms NRW dafür bezahlt werden, dass sie Wiesen und Felder mähen und so vor dem Zuwachsen schützen.

Den genauen Standort einer Art verraten Orchideenfreunde nie. Sie wissen, was passieren kann, wenn solch ein Platz bekannt wird: Unvorsichtige Pflanzenfreunde pilgern zu dem neuen Fundort und trampeln die Orchideen nieder, andere plündern gleich den ganzen Bestand. So wurden vor drei Jahren bei uns von einem Knabenkrautbestand an die 200 Pflanzen zerstört.

Regelmäßig bietet der Arbeitskreis Heimische Orchideen Exkursionen zu den exotisch anmutenden Pflanzen an, an denen jeder Interessierte teilnehmen kann. Ich kann die Teilnahme bestens empfehlen.

                                      Orchidee des Jahres 2009 
                                                                   
                                          Orchis mascula (L.) L.

                                       Männliches Knabenkraut
 
Diese stattliche Pflanze, die im Frühjahr zu den ersten blühenden Orchideen gehört, steht im Jahr 2009 Pate als „Orchidee des Jahres“. Gekürt wurde sie von den Arbeitskreisen Heimischer Orchideen (AHO), die als Vereine in den Bundesländern aktiv sind. Sie möchten damit auf die Schönheit der Pflanzenfamilie aufmerksam machen und gleichsam für deren Schutz und den Erhalt ihrer Lebensräume aufrufen.

Merkmale: Der lateinische Name „mascula“ deutet schon an, dass es sich um eine stattliche Pflanze handelt. Der Blütenstand kann mit bis zu 30 Einzelblüten besetzt sein und ist zumeist purpurrot gefärbt. Das Männliche Knabenkraut wird bis 70 Zentimeter hoch. Seine eiförmig-lanzettlichen Rosettenblätter können ungeeckt, gesprenkelt oder purpurrot geeckt sein. Der Stängel wird zwischen 20–50 Zentimeter hoch, es folgt der bis zu 16 Zentimeter lange zylindrische Blütenstand. Die Blüten können hell- bis purpurrot sein. Das mittlere Sepalum und die Petalen bilden einen Helm. Die Lippe ist dreilappig. Die Blütezeit beginnt Ende April.

Lebensräume: Das Männliche Knabenkraut ist auf Wiesen und in lichten Wäldern zu finden. Die Böden sind nicht sehr sauer oder sehr kalkhaltig, zumeist sind sie leicht feucht. Als Standorte werden Frischwiesen und -weiden angegeben, auch magere Gebirgswiesen. Die Orchidee wächst auch auf Trockenrasen, wenn sie zeitweise genügend Feuchtigkeit hat. Mit dem Gelben Knabenkraut (Orchis pallens) und Spitzels Knabenkraut (Orchis spitzelii) kann das Männliche Knabenkraut Hybriden bilden. Im subalpinen und alpinen Bereich gedeiht die Unterart Orchis mascula subsp. speciosa, was übersetzt „Männliches Knabenkraut, Prächtige Unterart“ heißt.

Gefährdung: Jede Veränderung der mageren, feuchten Wiesen, das Verbuschen der Offenlandächen oder das verstärkte Wachstum der Bäume und Unterwuchs im Wald führen zu einem Rückgang der Art. Die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft sorgt für eine Veränderung der Standorte, die zum Artenrückgang beitragen. Die Knollen des Knabenkrautes stehen auf dem Speisezettel des Schwarzwildes, es kann großen Schaden anrichten.

Quelle: Jutta HAAS, AHO Hessen